Bauingenieur: tragende Verantwortung

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Er prägt unsere moderne Welt, wie sie heute aussieht, wie kaum ein anderer: der Bauingenieur. Der Straßenbau, die Schienennetzwege, Tiefbauten wie U-Bahnen, aber auch moderne Wohnhäuser im großen Stil oder Bürogebäude im Hochbau gehören allesamt zu seinem Portfolio. Bauingenieure planen, berechnen, konstruieren und bauen all diese großen Vorhaben, von der Entwurfszeichnung am Reißbrett bzw. PC über die Koordinierung der Gewerke und der Baumaschinen auf der Baustelle bis hin zur Budgetplanung und Kostenkontrolle. Eines ist klar: Bauingenieur ist ein verantwortungsvoller Beruf.

Berufsbild Bauingenieur

Was macht ein Bauingenieur? Er ist vor allem für die großen Bauvorhaben und Projekte im Bauwesen zuständig. Er fertigt statische Berechnungen für seine Groß-Bauwerke an und kümmert sich um den kompletten Ablauf und die Umsetzung des Bauprojekts. Als Konstruktionsingenieur ist er in sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern anzutreffen, die eines vereint: Think big! Denn in diesem Beruf bist du richtig, wenn du gerne in großen Dimensionen unterwegs bist. Bauingenieure planen und koordinieren den Bau bzw. Ausbau

  • von Wohn-, Industrie-, Gewerbe- und Bürogebäuden,
  • des Infrastrukturnetzes mit Straßen, Tunnel, Brücken, Schienen und Wasserversorgung und -entsorgung,
  • von Großbauwerken wie Kraftwerken, Geothermieanlagen und Windparks.

Als Bauingenieur managst du oftmals das ganze Projekt. Du kümmerst dich also zuerst einmal um die fachliche Seite wie kreative Planung, Statik und dafür nötige Berechnungen sowie Konstruktionszeichnungen. Genauso musst du aber auch darauf achten, dass der zeitliche Ablauf und das Budget eingehalten werden, dass auf der Baustelle alles korrekt abläuft und dass die verschiedenen Projektbeteiligten gut zusammenarbeiten. Ebenso hast du dich mit Genehmigungen und Behördenauflagen zu beschäftigen. Neben technischem Know-How, das du dir in einem Studium aneignen musst, benötigst du für diesen Job auch sehr viel Durchsetzungsvermögen, Menschenkenntnis und den Blick fürs Große und Ganze.

Berufsutensilien eines Bauingenieurs: Taschenrechner, Baupläne, Bauarbeiterhelm, Meterstab, Kran, Hochhaus

Bildquelle: www.istockphoto.com / KangeStudio

Das Studium

Duales Studium

Wer in Deutschland Bauingenieur oder Bauingenieurin werden will, muss studieren. Dabei kannst du dich zwischen verschiedenen Wegen entscheiden: Es ist möglich, ein duales Studium zu belegen, bei dem du fix integrierte Praxisblöcke im Studium hast und du diese immer in „deinem“ Ausbildungsbetrieb absolvierst. Im Bereich des Bauingenieurwesens bieten diese Ausbildungsvariante namhafte, große Unternehmen an, wie die Deutsche Bahn AG, Flughafenbetriebe, Baugesellschaften oder auch Stadtverwaltungen. Zum Teil machst du bei diesen Programmen zusätzlich zum Studium eine komplette Ausbildung in einem Ausbildungsberuf der Bauwirtschaft. So bietet beispielsweise die DB Netz AG ein 4,5-jähriges duales Studium zum Bauingenieur an, mit integrierter Ausbildung zum Gleisbauer/Tiefbau-Facharbeiter. Der Vorteil: Du sammelst bereits während des Studiums wertvolle Praxiserfahrung. Ein weiterer Anreiz: Du bekommst in der Regel bereits eine Ausbildungsvergütung. Und in der Baubranche verdienen bereits die Azubis ganz gut: Der Bruttolohn beträgt dort im Schnitt über drei Jahre ca. 1.300 Euro monatlich (Quelle).

Auch spezielle Berufsakademien bieten Bauingenieursstudiengänge an. Dort wechseln sich ebenfalls Praxiselemente mit dem theoretischen Studium ab.

Bachelor- und Masterstudium

Genauso kannst du aber auch ein klassisches Bachelor-Studium an einer Fachhochschule oder Universität belegen, das dich in 6-7 Semestern zum Abschluss des Bachelor of Science oder Bachelor of Engineering führt. Auch hier sind Praxissemester eingeplant. Wer will, kann dann noch ein viersemestriges Masterstudium dranhängen. Dieses beendet man im Idealfall mit dem Masterabschluss, der vergleichbar zu dem früheren Abschluss eines Diplom-Ingenieurs (Dipl.-Ing.) ist. Ein abgeschlossenes Studium, egal ob Bachelor oder Master, ist in diesem Bereich auf jeden Fall unabdingbare Voraussetzung.

Studieninhalte

Vorpraktikum

Bevor du dein Studium beginnst, kannst du ein Praktikum in der Baubranche absolvieren. Nicht alle Hochschulen fordern das, jedoch gerade viele Fachhochschulen legen mittlerweile Wert auf solch eine Praxiserfahrung ihrer Studienanfänger. Und das kann auch durchaus Sinn für dich machen: Du gewinnst bei solch einem Praktikum bereits einen Einblick in die Branche und das Tätigkeitsfeld deines späteren Berufs. Vielleicht stellst du dabei auch fest, dass dieses Umfeld und die Aufgaben absolut nicht deinen Vorstellungen entsprechen. Dann ist es auf keinen Fall zu spät, die Handbremse zu ziehen und sich noch einmal neu zu orientieren.

Schwerpunkte

Im Studium selbst steht die Vermittlung von Fachwissen im Vordergrund. Exemplarisch zeigen wir dir am Bachelor-Studiengang der Fachhochschule Erfurt auf, was als Student des Studiengangs Bauingenieurwesen auf dich zukommt. Im Grundstudium liegt dort der Schwerpunkt auf:

  • Ingenieursmathematik
  • Technischer Mechanik (u. a. Baustatik)
  • Baustoffkunde
  • Baukonstruktion
  • Informatik und CAD
  • Wirtschaft und Recht

In der zweiten Studienhälfte werden die Fachgebiete vertieft. Hier geht es um:

  • Massivbau, Stahlbau und Holzbau
  • Grundbau, Geotechnik und Bodenmechanik
  • Wasserbau, Wasserwirtschaft, Hydromechanik
  • Verkehrs- und Straßenwesen
  • Bauphysik und Baumechanik
  • Vermessungskunde, Fertigungstechnik
  • Baumanagement

Im sechsten Semester wählst du einen Schwerpunkt aus. Du kannst dich zwischen Baubetrieb und Projektmanagement, konstruktivem Ingenieurbau/Sanierung und Verkehr, Wasser und Umwelt als Vertiefung entscheiden. Anschließend absolvierst du ein 12-wöchiges Praktikum in der Bauwirtschaft und erstellst dann deine Abschlussarbeit.

Zwei Bauingenieure mit Plan im Fachgespräch auf der Baustelle

Bildquelle: www.istockphoto.com / nd3000

Architekt oder Bauingenieur: Was ist der Unterschied?

Auch das Architekturstudium schließt man in Deutschland mit dem Titel „Ingenieur“ bzw. „Bachelor/Master of Engineering“ ab. Was ist aber genau der Unterschied zwischen dem Tätigkeitsfeld eines Architekten und dem eines Bauingenieurs?

Generell kann man sagen, dass sich die Aufgabengebiete beider Berufsgruppen durchaus überschneiden. Beide sind für den Entwurf, die konkrete Planung und die statische Berechnung von Gebäuden zuständig. Wer allerdings Architektur studiert, legt oftmals mehr Wert auf den kreativen, ästhetischen Aspekt des Berufs. Bauingenieure hingegen fühlen sich der Technik und dem naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich enger verbunden. Während im architektonischen Bereich der subjektive Geschmack eine sehr große Rolle spielt, sind es beim Bauingenieur eher die nackten Zahlen, die im Vordergrund stehen. Allerdings besitzen beide Studiengänge eine sehr breite, gemeinsame Basis, und mit beiden Studienrichtungen ist es möglich, sich später noch eher in die eine oder die andere Richtung zu spezialisieren.

Bist du allerdings generell eher der kreativ-ästhetische Typ, der sein Umfeld mit seinen einzigartigen Bauentwürfen beglücken möchte und dem es eine Herzensangelegenheit ist, mehr Schönheit hinaus in die Welt zu tragen, dann könnte für dich Architekt der passendere Studiengang sein. Faszinieren dich hingegen schon von Kindesbeinen an große Baumaschinen, bist du im Hoch- und Tiefbau zuhause und machst gerne auch mal laute Ansagen, dann könntest du dich beispielsweise später als Bauingenieur in der Position eines Bauleiters ganz wohl fühlen.

Wo arbeitet ein Bauingenieur?

Der Arbeitsalltag eines Bauingenieurs oder einer Bauingenieurin ist sehr stark abhängig von der Position, die du später ausfüllst. Und hier gibt es große Unterschiede. Du kannst zum Beispiel …

… als Bauleiter in einem großen Bauunternehmen tätig sein. Dann fühlst du dich auf der Baustelle wohl, übernimmst gerne Verantwortung und kannst dich gut durchsetzen. Hier ist der Ton oftmals rauer, weshalb du ein eher robusteres Naturell mitbringen musst.

… in einem Ingenieurbüro in der Planungsabteilung angestellt sein. Dann umfasst dein Aufgabengebiet in erster Linie Büroarbeit. Du wirst sehr viele technische Berechnungen durchführen und mit entsprechender Software arbeiten. Hier sind Zahlenfüchse gefragt.

… in einer Behörde arbeiten. Stadtverwaltungen, Landesbehörden aber auch Denkmalschutzämtern beschäftigen ebenfalls Bauingenieure. Hier richtet sich dein Aufgabenbereich sehr nach der Abteilung, in der du tätig bist, und der Tätigkeit, für die du eingestellt wurdest. Auch im öffentlichen Dienst können sich sehr spannende Jobs finden.

Jobaussichten und Gehalt

Momentan sieht der Arbeitsmarkt für Bauingenieure gut aus. Die Baubranche boomt; viele Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Die Anstellungsaussichten für Bauingenieure sind deshalb momentan als sehr gut einzuschätzen (Quelle). Und auch die Verdienstmöglichkeiten können sich sehen lassen. Zwar bewegen sie sich im Bauwesen im Vergleich zu anderen Ingenieurssparten eher im unteren Bereich. Doch im Mittel liegt das Jahresbruttogehalt eines Ingenieurs im Baugewerbe mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung bereits bei ca. 55.000 Euro (Quelle: Studie Ingenieureinkommen 2002-2018).

Fazit

Kreativ sein, Verantwortung übernehmen, Mitarbeiter führen und große Projekte über die Bühne bringen: All das kannst du in deinem Berufsalltag als Bauingenieur. Je nach Spezialisierung ist es möglich, den Arbeitsplatz für dich zu finden, in dem du dich am wohlsten fühlst. Voraussetzung für eine entsprechende Anstellung im Bauingenieurwesen ist ein erfolgreich abgeschlossenes Studium. Die Jobaussichten sind aktuell gut, und auch das Gehalt eines Bauingenieurs kann sich sehen lassen. Weitergehende Informationen findest du zum Beispiel auf www.werde-bauingenieur.de.

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