Elektrotechnik: Jobs in der Boom-Branche

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Vor wenigen Jahren machte das Schreckgespenst des Ingenieur-Mangels in Deutschland die Runde: Die Presse meldete, es gäbe zu wenig einheimische Fachkräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Vor allem sei die Zahl der Studenten und Absolventen von technischen Fachrichtungen hierzulande viel zu niedrig. Speziell die Elektrotechnik-Branche könne den Bedarf an Ingenieuren bei weitem nicht decken. Daraufhin durfte sich so mancher Schulabgänger den wohlgemeinten elterlichen Ratschlag abholen: „Werde doch Elektrotechniker, die sind gefragt!“ Aber was macht so ein „Elektrotechniker“ überhaupt, außer Geld zu verdienen? Und wo gibt es spannende Jobs für Elektrotechniker?

Elektrotechniker gibt es gar nicht

Schon klar, die Eltern meinen es in der Regel nur gut. Und deshalb sind sie auf der Suche nach einem möglichst erfolgversprechenden Beruf mit tollen Verdienstmöglichkeiten und rosigen Anstellungsaussichten für den eigenen Nachwuchs. Und dagegen spricht ja auch nichts, schließlich möchten die meisten Menschen gutes Geld verdienen und einen spannenden Job machen.

Die Elektrotechnik-Branche hat beides zu bieten: Sie gehört aktuell sicherlich zu den boomenden Wirtschaftszweigen. Doch die Berufsbezeichnung „Elektrotechniker“ existiert bei uns in Deutschland genau genommen eigentlich gar nicht, sie wird nur umgangssprachlich verwendet. Und hier muss man aufpassen, denn sie kann mindestens für zwei verschiedene Berufsbilder mit ganz unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zum Einsatz kommen.

Anders übrigens in Österreich: Dort gibt es seit dem Jahr 2010 den Ausbildungsberuf zum Elektrotechniker. Diese Ausbildung dauert 3,5 bzw. 4 Jahre und entspricht bei uns ungefähr dem Berufsbild des Elektronikers.

Techniker Fachrichtung Elektrotechnik

Ist bei uns die Rede von einem „Elektrotechniker“, muss man unterscheiden, ob man vom Diplom-Ingenieur Elektrotechnik mit Studienabschluss oder einem geprüften Techniker mit der Fachrichtung Elektrotechnik spricht. Letzterer ist eine Weiterbildung, die an Fachschulen stattfindet und je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist. Voraussetzung, damit du diese Weiterbildung absolvieren darfst, ist bereits eine abgeschlossene Ausbildung in einem relevanten Berufszweig sowie einige Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich. Du musst also bereits Elektroniker, Mechatroniker, Industrieelektriker oder Mikrotechnologe sein und in diesem Bereich in der Industrie oder im Handwerk gearbeitet haben.

Die Weiterbildung zum Techniker/Elektrotechnik kannst du mit einem der folgenden drei Schwerpunkte wählen:

  • Automatisierungstechnik
  • Energietechnik
  • Information/Kommunikation

Sie dauert 2 Jahre, wenn man sie in Vollzeit absolviert. Wer die Weiterbildung berufsbegleitend in Teilzeit in Angriff nimmt, muss dafür ca. 4 Jahre einplanen. Der Abschluss zum staatlich geprüften Techniker qualifiziert dich für Tätigkeiten im mittleren Management bzw. Verantwortungsbereich von Unternehmen und steht laut Deutschem Qualifikationsrahmen auf dem gleichen Niveau wie ein Bachelorabschluss (vgl. Technikerschule München). Besitzt du noch kein Abitur, erhältst du mit dem Technikerabschluss auch die Hochschulzugangsberechtigung für fachgebundene Studiengänge. Das heißt, du könntest dann sogar noch ein passendes Studium anschließen, und dir stehen viele Positionen im Bereich Elektrotechnik offen.

Elektrotechniker Platine

Bildquelle: www.istockphoto.com / 12963734

Studium der Elektrotechnik

Doch auch ohne Ausbildung kannst du Karriere in der Elektrotechnik machen. Dafür musst du das Abitur oder Fachabitur in der Tasche haben. Dann kannst du einen entsprechenden Studiengang an einer Universität oder Hochschule belegen und den Abschluss Bachelor of Science bzw. of Engineering oder aber den entsprechenden Master in Elektrotechnik machen. Je nachdem, in welchem Bereich du später tätig sein willst, empfiehlt es sich, noch eine Promotion anzuhängen. Vor allem, wenn du in der Forschung und Entwicklung arbeiten willst, ist ein Doktortitel durchaus hilfreich und wird oft auch erwartet. Früher hatte man übrigens mit einem Studienabschluss der Elektrotechnik automatisch den Titel eines Ingenieurs inne.

Traditionell hat das Studienfach Elektrotechnik eine relativ hohe Quote an Studienabbrechern (vgl. Quelle). Für viele Studienanfänger werden die bereits im Grundstudium geforderten, relativ tiefgreifenden Mathe- und Physikkenntnisse zu Stolpersteinen. Dazu kommt: Am Anfang des Studiums wird sehr viel theoretisches und technisches Fachwissen abgeprüft, während die Studenten schon davon träumen, Smartphones zu bauen oder Funkkommunikation zu optimieren.

Meisterabschluss

Durchforstest du Stellenanzeigen für Elektrotechniker, kann es durchaus auch sein, dass für ausgeschriebene Positionen einfach ein Meisterabschluss in einem Ausbildungsberuf wie Elektroniker oder Mechatroniker gefordert wird. Wie bereits erwähnt, wird die Bezeichnung „Elektrotechniker“ nicht einheitlich verwendet, weshalb du die Stellenanzeigen und die jeweiligen Anforderungsprofile ganz genau lesen solltest. Ob du auf eine Stelle passt, entdeckst du dann oft erst im Kleingedruckten.

Arbeitsfelder in der Elektrotechnik

Die Arbeitsfelder, in denen du auf dem Gebiet der Elektrotechnik tätig werden kannst, bieten Spannung, Abwechslung und schnellen technologischen Fortschritt. Letzteres stellt für Arbeitnehmer in diesem Bereich auch eine lebenslange Herausforderung dar: Um immer am Puls der Zeit zu bleiben, ist permanente, konsequente Fortbildung im jeweiligen Fachgebiet ein unverzichtbares Muss. Nur so lässt sich in der Elektrotechnik langfristig Karriere machen.

Die beliebtesten Branchen

Wo arbeiten Elektroingenieure oder Techniker der Elektrotechnik? Auskunft hierzu gibt eine aktuelle VDE-Studie (vgl. Quelle). Demnach beschäftigen sich

  • 23 % der Befragten mit intelligenten Stromnetzen,
  • 19 % mit E-Mobility,
  • 15 % mit Medizintechnik,
  • 14 % mit der Digitalisierung industrieller Produktion (Industrie 4.0),
  • 12 % mit Smart Home Entwicklung und
  • 9 % mit dem Themenbereich Smart Cities.

Weitere Teilbereiche der Elektrotechnik wie beispielsweise die Nachrichtentechnik inklusive Funkkommunikation bieten ebenfalls interessante Aufgaben und haben gute Anstellungsaussichten. Oftmals ist die Gruppe der Experten oder Fachingenieure in diesen Fachrichtungen jedoch tatsächlich sehr klein, sodass man auf europäischen Konferenzen immer wieder die gleichen Köpfe trifft und sich innerhalb der Branche tatsächlich sehr schnell gut kennt.

Du siehst: Die Themenfelder in der E-Technik sind breit gestreut. Man kann sich während des Studiums oder der Ausbildung also einen Schwerpunkt suchen, der den eigenen Interessen entspricht. Dabei sollte man bedenken, dass diese Spezifizierung durchaus langfristig angelegt ist. Denn hat man sich einmal in ein Fachgebiet eingearbeitet und besitzt in diesem Thema Expertise und Praxiserfahrung, lässt sich das Arbeitsumfeld später nicht so leicht wechseln. Das liegt einfach an der Komplexität der Fragestellungen und Aufgabenbereiche.

Arbeitsalltag

Je nachdem, ob du Techniker oder Ingenieur bist, wird sich dein Arbeitsalltag im Regelfall etwas unterscheiden. Techniker entwickeln Systemkomponenten für ihren jeweiligen Fachbereich, also beispielsweise für die Mobilfunksparte oder die Autoindustrie mit Schwerpunkt Elektromobilität. Dafür musst du sowohl technische Zeichnungen anfertigen und programmieren, als auch Schaltungen bauen sowie Messungen durchführen können (vgl. Quelle). Elektronische Schaltungen sowie elektrotechnische Anlagen müssen von dir geprüft, getestet und optimiert werden. Dafür können auch Grundkenntnisse im Löten sowie in der Mechanik von Vorteil sein.

Ingenieure bzw. Absolventen mit Hochschulabschluss müssen ähnliche Fertigkeiten mitbringen, wobei in ihrem Berufsalltag die planerisch-strategische Komponente vom Schreibtisch aus überwiegt und sie weniger praktisch im Labor tätig sind. Sie übernehmen Leitungsfunktionen in der Produktion, der Forschung und Entwicklung, im technischen Marketing oder im Vertrieb. Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit mit grundlegend anderem Arbeitsalltag ist die Anstellung im Öffentlichen Dienst oder als Berufsschullehrer.

Darüber hinaus kannst du dich sowohl als Techniker als auch als Ingenieur natürlich selbstständig machen.

Elektrotechniker prüft Gerät

Bildquelle: www.istockphoto.com / gorodenkoff

Welche Eigenschaften solltest du mitbringen?

Ein Lötkolben war dein heiß ersehntes Geschenk zur Einschulung? In der Pubertät hast du morgens statt zur Haargel-Tube zum Luftballon gegriffen, um deiner Frisur den letzten Schliff zu geben – der elektrostatischen Ladung sei Dank? Und später warst du der Star in der Klasse, weil dein selbst gebautes Solarmobil den ersten Preis bei „Jugend forscht“ abgeräumt hat?

Wer sich für technische Fragestellungen am Puls der Zeit interessiert und eine grundlegende Neugier mitbringt, wie elektrische Prozesse ablaufen und was sie bewirken, der ist in der E-Technik zuhause. Folgende Fähigkeiten machen dir dort das Leben noch ein wenig leichter:

  • Interesse für Mathematik, Physik und Informatik
  • gute Schulnoten in diesen Fächern
  • ein Faible für das Programmieren
  • technisches Verständnis
  • handwerkliche Grundfähigkeiten
  • ein Forscher-Gen: Du willst wissen, wie etwas funktioniert
  • der Wille, sich beständig fortzubilden
  • Faszination für technologischen Fortschritt

Kannst du bei einigen dieser Punkte ein Häkchen setzen, könnte die E-Technik durchaus ein attraktiver Arbeitsbereich für dich sein.

Verdienst

Ein wichtiger Punkt bei der Wahl des späteren Jobs ist das Gehalt. Als Techniker mit der Fachrichtung Elektrotechnik liegt dein monatliches Bruttogehalt im Schnitt bei ca. 3.200 Euro (vgl. Quelle). Natürlich sind mit wachsender Berufserfahrung durchaus auch höhere Verdienste möglich. Zudem variieren die gezahlten Gehälter natürlich stark nach Industriezweig und Unternehmensgröße.

Wer einen Universitätsabschluss in Elektrotechnik hat und ins Berufsleben startet, kann mit einem Einstiegsgehalt ab ca. 3.600 Euro brutto im Monat kalkulieren (vgl. Quelle). Die Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterabsolventen sind hier erstaunlicherweise minimal. Wer allerdings eine Promotion in der Tasche hat, kann mit einem ca. 25 % höherem Einstiegsgehalt rechnen. Generell lässt sich sagen, dass der Weg in Richtung Leitungsposition gerade in der Forschung und Entwicklung mit einem höheren Universitätsabschluss in der Praxis deutlich schneller vonstatten geht als mit einem Bachelorabschluss.

Karriereaussichten

Ingenieurmangel in Deutschland?

Doch wie ist es jetzt um das Gespenst des Ingenieurmangels in deutschen Landen tatsächlich bestellt? Hierzu finden sich sehr unterschiedliche Aussagen. Die Geschichte vom generellen Ingenieurmangel ist jedoch mittlerweile so gut wie vom Tisch. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man das Thema differenzierter und vor allem nach Fachbereichen getrennt betrachten muss. Denn schließlich sind die Ingenieurswissenschaften ein weites Feld. Darunter fallen sowohl Architekten und Bauingenieure als auch Wirtschaftsingenieure und genauso Elektrotechniker.

Momentan sind aufgrund der insgesamt sehr guten Beschäftigungslage hierzulande viele Ingenieure gesucht. Doch steht zahlreichen offenen Stellen auch eine nicht unerhebliche Zahl an arbeitslosen Ingenieuren gegenüber. Das Problem liegt hier wohl eher in dem rasanten Tempo des technischen Fortschritts und den mittlerweile extrem kurzen Entwicklungszyklen, mit denen besonders auch Beschäftigte in der Elektrotechnik zu kämpfen haben. Fakt ist: Gesucht werden oftmals junge, top ausgebildete Universitätsabsolventen, die sich mit ihrem Fachwissen am Puls der Zeit befinden. Doch gerade in der Elektrotechnik tun sich ältere Ingenieure sehr schwer, beispielsweise in der zweiten Lebenshälfte einen neuen Job zu finden.

Der VDE meldet aktuell hingegen ganz plakativ „Deutschland steuert auf eine riesige Ingenieurlücke zu“ und spricht von „deutlich über 100.000 Stellen“, die in Deutschland in den kommenden zehn Jahren in der Elektro- und Informationstechnologie unbesetzt blieben (vgl. Quelle). Dem zu Grunde liegen Daten aus einer eigenen Studie. Konkrete Gründe für den Mangel sieht der VDE in der großen Menge an E-Technik-Ingenieuren, die sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand verabschieden wird, und der sinkenden Zahl an Studenten bzw. der hohen Quote an Studienabbrechern im Bereich Elektrotechnik. Der Verband fordert eine Bildungsoffensive: Der Unterricht an den Schulen in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften müsse deutlich verbessert werden.

Chancen für Techniker

Auch staatlich geprüfte Techniker haben aktuell sehr gute Anstellungschancen. Mit einem Techniker-Abschluss bist du darüber hinaus sehr flexibel: Du kannst entweder weiterhin eher praktisch angelegte Tätigkeiten in Labor oder Werkstatt ausüben, oder dich aber auf der Karriereleiter nach oben orientieren und Planungs- und Leitungsfunktionen anpeilen. In beiden Bereichen kann für einen guten Techniker Platz sein.

Generell bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung in der Branche weiter verläuft. Fest steht: Wer momentan am Anfang seiner Ausbildung bzw. beruflichen Laufbahn steht, hat im Fachbereich Elektrotechnik mit Sicherheit sehr gute Anstellungs- und Karrierechancen.

Los geht’s: Stellenangebote in der Elektrotechnik




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