Burnout – Ursachen, Therapie und Vorbeugungsmaßnahmen

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Dass psychische Krankheiten hinter vielen Fehltagen stecken, ist in den letzten Jahren häufig das Ergebnis von Auswertungen von Krankenkassen und anderen Institutionen gewesen. Beispielsweise zeigt diese Statistik, dass die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund des Burnout-Syndroms von Jahr zu Jahr kontinuierlich angestiegen ist. In aller Munde und mit steigenden Zahlen erhärtet sich bei vielen der Verdacht, es könnte sich um eine Modekrankheit handeln. Und sicher ist nicht jede Abgeschlagenheit, jeder Tag mit schlechter Laune und Antriebslosigkeit im Job gleich ein sicheres Anzeichen für eine ernsthafte psychische Erkrankung. Dennoch: Wenn sich die Warnzeichen häufen, besteht Handlungsbedarf.

Wer ist betroffen: Nur wer brennt, kann ausbrennen

Besonders häufig von Burnout betroffen sind junge Arbeitnehmer in ihren ersten Arbeitsverhältnissen sowie berufserfahrene Mitarbeiter an einem neuen Arbeitsplatz. Starke Motivation, verbunden mit einem zum Perfektionismus neigenden Selbstanspruch und der Wille, sich in der neuen Situation zu beweisen, können zu einem auf Dauer nicht auszuhaltenden Druck führen.
Leider sind die Gefährdungen nicht allein auf die genannte Berufsgruppe begrenzt: Die Website Berufsstrategie.de nennt Lehrer, Polizeibeamte, Ärzte, Pflegekräfte und Sozialpädagogen als besonders Burnout-gefährdet. Ursprünglich wurde dieses Syndrom auch als Symptomatik gesehen, die im Speziellen helfende Berufe betrifft (Quelle) – viele kennen den Begriff des Helfersyndroms. Erstmals wurde das Wort „burn out“ 1974 von einem deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker, Herbert Freudenberger, verwendet.

Für alle Arbeitnehmer gilt: Unklare Ziele und Zielvereinbarungen, wenig Feedback und Anerkennung von Kollegen und Vorgesetzten, Monotonie am Arbeitsplatz und häufige Unterbrechungen (etwa durch E-Mails) bei Aufgaben, die Konzentration erfordern, führen zu Frustration – und damit unter Umständen auch in ein Burnout-Syndrom.

Doch ist dieses nichts, was der arbeitenden Bevölkerung vorbehalten ist: Auch ein Arbeitsuchender, der sich stets die größte Mühe bei seinen Bewerbungen gegeben hat und dennoch immer wieder Absagen erhält, kann in ein Burnout rutschen. Oder: Die aufopferungsvolle Mutter wird von ihren Kindern enttäuscht. Übrigens können bereits Schüler an dieser Krankheit leiden. Wesentlich ist, dass jemand erst viel Einsatz gezeigt hat und daraufhin enttäuscht wird.

Auch kann nicht gesagt werden, dass Stress grundsätzlich der Auslöser dieser Erkrankung ist: Der Psychotherapeut Dr. Merkle schreibt auf Palverlag.de: „Nicht Ihre Arbeit macht Sie krank, sondern Ihr Umgang mit ihr. Wäre es Ihre Arbeit, die krank macht, müssten alle Menschen, die einer Arbeit wie der Ihrigen nachgehen, einen Burnout bekommen. Dem ist nicht so.“

Einen ebenfalls interessanten Ansatz verfolgt Dr. Mirriam Prieß in ihrem Buch „Burnout kommt nicht nur von Stress“: In dem sogenannten „Käfermodell“ wird jedem Beinchen des Käfers ein Lebensbereich zugeordnet: Beruf, Familie / Partnerschaft, Gesundheit, Soziale Kontakte, Hobbys und Glaube bzw. Lebensmotto. Werden alle Bereiche gut gepflegt, sodass jemand mit seiner Ist-Situation zufrieden ist, dann ist das eine gute Burnout-Prävention. Steht das eigene Leben jedoch beispielsweise nur auf zwei Beinen, also Beruf und Gesundheit, rückt die Gefahr einer solchen Erkrankung schon näher.

Wie äußert sich ein Burnout?

Man hat aus den unterschiedlichsten Ursachen viel Energie in die eigene Arbeit gesteckt. Es entsteht erst das Gefühl des Zeitmangels und der Eindruck, für eigene Bedürfnisse sei kein Platz mehr. Daraufhin kommt es zum Erschöpfungsgefühl, zu welchem auch eine emotionale Erschöpfung gehört. In der darauf folgenden Phase wird von den Betroffenen erwartet, dass sie für ihren übermäßigen Einsatz etwas zurückerhalten. Da jedoch nichts zurückkommt, wird von den Betroffenen – ohne dies zu wollen „innerlich gekündigt“. Der Arbeitseinsatz der Person nimmt in der Folge drastisch ab.

Laut Netdoktor.de kann es bei dem Syndrom zusätzlich zu einer depressiven oder einer aggressiven Symptomatik kommen. Bei der ersteren zeigen sich Beschwerden wie Antriebslosigkeit, doch auch Angstzustände können auftreten. Die aggressive Symptomatik äußert sich durch Schuldzuweisungen, häufige Streitereien oder allgemeine Reizbarkeit. Auch psychosomatisch könne man reagieren, beispielsweise mit den unterschiedlichsten körperlichen Symptomen oder übermäßigem Konsum von Nahrungsmitteln, Koffein oder Alkohol. In der letzten Stufe könnten sogar Suizidgedanken auftreten. Diese sind jedoch laut mancher Fachmeinung nicht typisch für ein Burnout.

Verzwickt: Die Diagnose

Die Feststellung eines Burnout-Syndroms ist nicht einfach; zum einen werden erste Symptome von den Betroffenen verdrängt, ignoriert und geleugnet, zum anderen sind sie ausgesprochen vielfältig. Hinzu kommt, dass eine klare Abgrenzung zur Depression schwierig ist, weil sich Ursachen und Symptome stark überschneiden. Laut Netdoktor.de (Link siehe oben) sind sogar manche Ärzte der Meinung, es handele sich bei dem Burnout gar nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern eigentlich um eine Depression. Die letztere Diagnose werde jedoch von vielen Patienten weniger akzeptiert.

Wer sich trotz hohen Einsatzes im Job ständig überfordert fühlt und gleichzeitig an den Ergebnissen seiner Arbeit zweifelt, wer abgeschlagen ist, unter Schlaf- und Appetitlosigkeit leidet und private Kontakte massiv vernachlässigt, ist unter Umständen Burnout-gefährdet – vor allem, wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält. Erste Anhaltspunkte kann ein Selbsttest liefern, welcher jedoch keine ärztliche Beratung oder Anamnese ersetzen kann.

In den ICD-11, welche im Mai 2019 verabschiedet wurden, wird das Burnout folgendermaßen beschrieben (Quelle):

  • Als Ursache für das Syndrom wird chronischer Stress am Arbeitsplatz genannt.
  • Typisch sei die Erschöpfungssymptomatik.
  • Der Mensch nehme in zunehmendem Maße eine geistige Distanz oder auch eine negative Haltung zur eigenen Arbeit an.
  • Die Person ist aufgrund des Syndroms beruflich weniger leistungsfähig.

In den vorhergehenden ICD-10 wird das Burnout übrigens nicht als eigenständige Krankheit genannt. Bei Vorliegen dieser Erkrankung wurde von Ärzten stattdessen die Zusatzdiagnose mit der Ziffer Z-73.0, welche für „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ steht, angegeben.

Burnout - körperliche Ursachen müssen ausgeschlossen werden

Bildquelle: www.istockphoto.com / seb_ra

Wenn es sich wie Burnout anfühlt, aber doch keines ist

Laut Apotheken-Umschau müsse der Arzt zunächst eine körperliche Erkrankung ausschließen, denn beispielsweise könne eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Tumorerkrankung ein ähnliches Beschwerdebild entstehen lassen. Das Burnout-Syndrom werde manchmal synonym zu dem Begriff „chronisches Müdigkeitssyndrom“ verwendet, wobei eine solche Gleichsetzung jedoch falsch ist: Während bei dem letzteren, wie der Name schon sagt, eine chronische Müdigkeit auftritt, kann es sich bei einem Burnout um ein vielfältiges Beschwerdebild handeln.

Wie sieht die Therapie aus?

  • In leichten Fällen typisch sind milde Therapien wie das Erlernen von Entspannungstechniken sowie das neue Ausrichten persönlicher Erwartungen und Ansprüche. Ebenfalls sinnvoll ist eine Psychotherapie. Ziel einer solchen ist, die eigenen Belastungsgrenzen besser einschätzen zu können. Dabei gibt es (wenn man nur diejenigen nennt, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden) grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten der Psychotherapie: Die Verhaltenstherapie, in welcher Verhaltensmuster analysiert werden, sowie die tiefenpsychologisch fundierte Therapie und Psychoanalyse. In der letzteren werden etwa Kindheitsgeschehnisse und ihre Auswirkungen auf die heutigen Denkmuster des Patienten untersucht.
  • In schweren Fällen, also wenn beispielsweise selbst das Einkaufen für den Patienten nicht mehr möglich ist, kann auch ein Klinikaufenthalt erforderlich sein.
  • Liegen eine Depression oder eine andere psychische Störung vor, werden diese medikamentös behandelt, in leichteren Fällen beispielsweise mit Johanniskraut.

Ist dieses Syndrom heilbar?

Trotz einer erfolgreichen Behandlung mit Psychotherapie & Co. können Rückfälle bei dieser Erkrankung nicht ausgeschlossen werden. Um einem Rückfall vorzubeugen, müssen einige Dinge grundlegend geändert werden. Anregungen hierzu findest du in den nächsten Absätzen.

Der Kampf gegen das Burnout

Was Arbeitgeber und Kollegen tun können

  • Zu den Frühsymptomen dieses Syndroms gehört das Gefühl, unentbehrlich zu sein. In Wirklichkeit jedoch ist niemand unersetzbar. Es sollte stets einen Vertreter geben, der die Aufgabe ebenso gut bewältigen kann wie die Person selbst.
  • Regelmäßige Teamsitzungen, in welchen jeder über seine derzeitige Situation in der Arbeit sprechen kann, können dabei helfen, Ungerechtigkeiten zu vermeiden und somit einem Burnout bei den einzelnen Mitarbeitern vorzubeugen.
  • Flexible Arbeitszeiten tragen ebenfalls zur Vorbeugung bei.
  • Größere Arbeitgeber haben die Möglichkeit, eine betriebliche Gesundheitsförderung anzubieten.
  • Auch Yogakurse oder Seminare, in welchen die Mitarbeiter ein besseres Stressmanagement erlernen können, sind sinnvoll.

Was Arbeitnehmer tun können

  • Lerne „nein“ zu sagen! Das bedeutet in Bezug auf die Arbeit: Nehme nicht jeden Arbeitsauftrag an, wenn du wirklich keine Zeit hast. Damit die wirklich wichtigen Aufgaben jedoch nicht zu kurz kommen, ist es wichtig, Prioritäten zu setzen.
  • Nimm dir Zeit für dich selbst. Versuche eine gesunde Balance zu finden zwischen dem Pflegen von Kontakten und Phasen der absoluten Erholung: Ein mit Freizeitterminen vollgestopftes Wochenende macht niemandem Spaß, wenn dann die Zeit für genügend Schlaf und Entspannung fehlt.
  • Wenn es finanziell nicht unbedingt notwendig ist, in Vollzeit zu arbeiten, kannst du dich auch um eine Teilzeitstelle bewerben oder in deinem Unternehmen nachfragen, ob deine Stelle z. B. in eine Halbtagsstelle umgewandelt werden kann.
  • Sorge dafür, dass ein Tag in der Woche frei von jeglichen Verpflichtungen ist. Der Hausputz gehört übrigens zu solchen Verpflichtungen.

Ausblick: Der lange Weg zurück

Die gute Nachricht: Wer sich der Tatsache stellt, von Burnout betroffen zu sein, hat bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Der Weg aus der Krise erfordert dennoch viel ernsthafte Arbeit: an der Erwartungshaltung sich selbst gegenüber, bei der Neu-Organisation des Arbeitsalltags und beim (Wieder-)Ausbau der sozialen Kontakte. Ob diese Veränderungen alleine oder mit der Unterstützung einer Therapie gelingen kann, sollte mit dem Arzt des Vertrauens abgeklärt werden.
Wichtig ist: Je früher und entschlossener du dich der Problematik stellst, desto schneller wird es dir wieder besser gehen. Keinesfalls sollte man darauf warten, dass die Beschwerden von selbst wieder verschwinden. Bei einer Nichtbehandlung ist nämlich mit einer Verschlimmerung des Symptomkomplexes zu rechnen bis hin zum vollständigen Zusammenbruch. Je eher die Behandlung erfolgt, desto besser ist die Prognose. Oder wie es Diplom-Psychologin Stephanie Neuwald sagt: „Wird ein schweres Burnout-Syndrom über einen längeren Zeitraum nicht erkannt und behandelt, hinterlässt es dauerhafte Spuren. Kognitive Fähigkeiten und Belastbarkeit sind dann meist permanent beeinträchtigt.“

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