Teilzeit

Teilzeit - weniger Stunden arbeiten

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Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes nimmt der Anteil der Personen, die in Teilzeit arbeiten, von Jahr zu Jahr zu, weshalb das Thema für sehr viele Menschen ein spannendes ist. Doch Vorsicht: Mit Teilzeitbeschäftigten sind nicht nur die Halbtagskräfte gemeint, sondern beispielsweise auch Minijobber. Jeder Arbeitnehmer hat im Übrigen einen Anspruch auf Teilzeitarbeit und kraft Gesetzes auch dieselben Rechte wie ein Vollzeitangestellter. Doch welche Risiken bringt es mit sich, weniger zu arbeiten?

Was es mit der Brückenteilzeit auf sich hat, wann es für Mitarbeiter Sinn macht, die Arbeitszeit zu reduzieren, was ein Sabbatical ist und viele weitere Dinge erfährst du hier.

Arbeit in Teilzeit – die unterschiedlichen Formen

Das Thema Teilzeit wird in Deutschland im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt.

Gemäß § 2 TzBfG orientiert sich die Definition von Teilzeit daran, wie viele Stunden eine Vollzeitkraft in einem Unternehmen tätig ist. So kann ein Mitarbeiter, der 36 Stunden pro Woche arbeitet, als Vollzeitmitarbeiter betrachtet werden, wenn 36 Stunden in dem Betrieb einer Vollzeitbeschäftigung entsprechen. Der zweite Absatz des § 2 TzBfG besagt zudem, dass auch geringfügig Beschäftigte zu den Teilzeitmitarbeitern zählen.

Im Folgenden ein paar Begriffserklärungen:

Altersteilzeit

  • Diese Form der Teilzeit ermöglicht einen fließenden Übergang in den Ruhestand. So können sich Mitarbeiter zum Beispiel neue Hobbys zulegen und sich an das Mehr an Freizeit gewöhnen. Man muss für die Altersteilzeit mindestens 55 Jahre alt sein, noch mindestens 3 Jahre bis zur Rente haben und in den letzten fünf Jahren mindestens 1.080 Tage in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis gestanden haben.
  • Für die Gestaltung der Altersteilzeit gibt es zwei Modelle – das Gleichverteilungsmodell (hierbei wird die Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert) und das Blockmodell (dieses unterteilt sich in eine Arbeitsphase mit Vollzeitarbeit und reduziertem Gehalt und eine Freistellungsphase, in der der Beschäftigte nicht arbeitet, jedoch weiterhin sein Gehalt bekommt). (Quelle: Arbeitsagentur)
  • Leider besteht kein Rechtsanspruch auf Altersteilzeit.

Brückenteilzeit

  • Die gesetzliche Regelung hat sich zum Vorteil der Arbeitnehmer entwickelt: Bei der Brückenteilzeit handelt es sich um ein Novum seit Januar 2019: Kurz gefasst geht es um das Recht von Arbeitnehmern, nach einer Teilzeitbeschäftigung wieder in eine Vollzeittätigkeit zurückzukehren. Hierbei kann man maximal fünf Jahre lang in Teilzeit tätig sein. Voraussetzung für die Brückenteilzeit ist, dass bei dem Arbeitgeber mindestens 45 Personen beschäftigt sind. Außerdem muss man die Arbeit bereits seit vor mindestens sechs Monaten aufgenommen haben.
  • Wenn bei der Firma jedoch nicht mehr als 200 Personen tätig sind, muss der Arbeitgeber nur einem von 15 Mitarbeitern gleichzeitig Brückenzeit genehmigen (Quelle).

Sabbatical

Ein Sabbatical ist eine Auszeit vom Berufsleben und kann in unterschiedlichen Formen realisiert werden. Denkbar ist etwa eine vertragliche Regelung, in der vereinbart wird, dass der Angestellte mehrere Jahre lang 40 Stunden pro Woche arbeitet, während in seinem Arbeitsvertrag eine 30-Stunden-Woche festgelegt ist. Auf diese Weise kann er später eine bezahlte Auszeit nehmen.

Teilzeit Invest

Bei dieser Form der Arbeit ist der Beschäftigte weiterhin in Vollzeit tätig, wird jedoch nur anteilig bezahlt. Der Restbetrag wird auf einem Wertguthaben oder einem Langzeitkonto gespart (Quelle).

Vollzeitferne vs. vollzeitnahe Teilzeit

Als eine vollzeitferne Teilzeit wird etwa die Halbtagsarbeit verstanden. Wenn ein Teilzeitjob hingegen beispielsweise mindestens 30 Stunden pro Woche umfasst, kommt er den 40 Stunden schon recht nahe. Im Prinzip kann es sich auch bei einer 39-Stunden-Woche um eine Teilzeitstelle handeln, wenn in dem Unternehmen grundsätzlich 40 Stunden wöchentlich gearbeitet wird.

Teilzeit oder lieber Vollzeit

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Wie viele Menschen sind in Teilzeit tätig?

Im Jahr 2018 hat fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit gearbeitet. Bei den Männern waren es nur 11,2 Prozent (Quelle). Insgesamt hat der Anteil der in Teilzeit tätigen Menschen in den letzten Jahren bei beiden Geschlechtern zugenommen. Eine Ursache dafür kann sein, dass im Jahr 2001 ein Anspruch auf Teilzeitarbeit im Gesetz verankert worden ist.

Die Vorteile von Teilzeitarbeit

Vorteile für Arbeitnehmer

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die oben zitierte Statistik zeigt, dass die Teilzeit nach wie vor in erster Linie eine Frauensache ist. Mittlerweile wird es gesellschaftlich aber auch immer mehr akzeptiert, wenn Männer beispielsweise zugunsten der Familie eine Teilzeittätigkeit ausüben. Häufig führen Männer jedoch als Grund für ihre Teilzeittätigkeit eine Weiterbildung oder andere berufliche Gründe.

Möglichkeit der Weiterbildung

Ein nebenberufliches Studium oder eine andere Fortbildung? Das ist für viele Personen kaum zu schaffen, wenn sie in Vollzeit arbeiten, und sie treten deshalb beruflich auf der Stelle oder verharren in einem Arbeitsverhältnis, in dem sie nicht wirklich ihre Bestimmung sehen. Eine Teilzeitstelle schafft hier Abhilfe.

Integration kranker Menschen

Manche Menschen sind aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage, Vollzeit zu arbeiten. Beispielsweise benötigen diese Menschen mehr Erholungsphasen und auch genügend Freizeit für Arzttermine. Eine Teilzeittätigkeit ermöglicht es diesen Menschen, einer Beschäftigung nachzugehen und auch am Arbeitsleben teilzunehmen.

Vorbeugung von Burnout

Auch wenn ein Mensch gesund ist, kann eine Woche mit 40 und mehr Stunden auf Dauer den körperlichen oder psychischen Gesamtzustand beeinträchtigen, wenn die Erholungsphasen zu kurz kommen. Andere Personen hingegen fallen in ein Loch des Trübsinns, wenn sie zu viel Freizeit haben. Darum sollte jeder selbst abwägen, wie er oder sie sich mit seinem Leben glücklicher fühlt, und die Arbeitszeit danach ausrichten.

Berufliche Abwechslung

Manche Arbeitnehmer lieben Abwechslung und besetzen gleich mehrere Teilzeitstellen, oder sie üben neben einer Teilzeitbeschäftigung noch eine nebenberufliche Selbstständigkeit aus. Das bringt zudem den Vorteil, dass in einem relativ kurzen Zeitraum vielfältigste Berufserfahrungen gesammelt werden können.

Mehr Freizeit

  • Arbeitet man, um zu leben (Broterwerb), oder lebt man, um zu arbeiten (Sinn des Lebens)? Im Prinzip kann beides gleichzeitig zutreffen: Man übt einen Teilzeitjob mit hoher Begeisterung aus, sichert damit gleichzeitig den Lebensunterhalt und kann aufgrund des intensiveren Freizeitausgleiches auch eine bessere Leistung erbringen als in Vollzeit.
  • Im Rahmen des sogenannten Downshiftings wird die Arbeitszeit aus dem einzigen Grund verringert, um ein erfüllteres Leben führen und mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens haben zu können.

Vorteile für Arbeitgeber

Weniger Leerlaufzeiten

Manche Vollzeitstellen bringen Leerlaufzeiten mit sich, da der Arbeitsanfall nicht hoch genug ist. Wird eine solche Stelle mit einer Teilzeitkraft besetzt, kann dieser Arbeitnehmer besser ausgelastet werden.

Von unterschiedlichen Talenten profitieren

Eine Stelle kann beispielsweise durch zwei Teilzeitmitarbeiter besetzt werden. Auf diese Weise werden unterschiedliche Begabungen in den Betrieb eingebracht, und zwei Mitarbeitern fallen mehr Ideen ein als einer Person.

Weniger Krankheitszeiten und eine geringere Fluktuation

Schon im Jahre 2006 wurde in einer Studie festgestellt, dass Teilzeitmitarbeiter seltener krank seien. Die Ursache dafür liegt nahe: Wer sich etwas krank fühlt, kann einen Teilzeitjob leichter meistern als einen Vollzeitjob, weshalb Personen, die sich schlecht fühlen, bei Teilzeitarbeit eine höhere Hemmschwelle haben, zu Hause zu bleiben.

Die Nachteile von Teilzeitarbeit

Schlechte Vereinbarkeit mit einer Führungsposition

Eine Führungskraft in Teilzeit ist für dich nur schwer vorstellbar? Der § 6 TzBfG besagt, dass auch Personen in leitenden Funktionen eine Teilzeitarbeit ermöglicht werden soll. In der Praxis ist dies jedoch nur selten der Fall. Dabei können sich zwei Teilzeitkräfte eine Führungsposition im Rahmen eines Führungstandems teilen.

Schlechtere Beförderungschancen

Obwohl Unternehmen zur Gleichbehandlung von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten verpflichtet sind, stehen die Beförderungschancen für Teilzeitbeschäftigte häufig eher schlecht. Der Grund dafür liegt in dem zuvor genannten Punkt.

Altersvorsorge

Die Furcht vieler Teilzeitbeschäftigter vor Altersarmut ist durchaus berechtigt. Wer als Rentner noch fit ist, kann zwar einer Nebenbeschäftigung nachgehen, doch wenn man über weniger Leistungsfähigkeit verfügt, ist man auf die Grundsicherung angewiesen. Eine sinnvolle Ergänzung, um für ein angemessen hohes Einkommen im Alter vorzusorgen, ist eine private Rentenversicherung (Beispiele für eine staatlich geförderte, private Altersvorsorge: Riester-Rente oder Rürup-Rente). Wer eine solche nicht abschließen möchte, kann übrigens auch freiwillige Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung vornehmen.

Integration in den Betrieb

Wer bereits in Teilzeit arbeitet, kann ein Lied davon singen: Plötzlich wird im Unternehmen ein bestimmtes Wissen als selbstverständlich betrachtet, doch du hast nichts von der Krankheitsursache von Herrn Schmidt, vom Geburtstag von Frau Bauer oder vom Kündigungsgrund der Frau Werner mitbekommen? Als Teilzeitmitarbeiter verpasst man so manches Büro-Schwätzchen, was insbesondere Neuankömmlingen die Integration in die Firma erschweren kann.

Nachteile bei der Karriere

Manche Führungskräfte nehmen Teilzeitkräfte nicht „für voll“. Den Teilzeitbeschäftigten kann in einem Betrieb das Image anlasten, zu viel Wert auf ihr Privatleben zu legen oder zu wenig Ehrgeiz zu haben. Dies kann sogar in solchen Betrieb der Fall sein, in dem bestimmte Stellen gar nicht in Vollzeit angeboten werden.

Fazit

Eine Teilzeitbeschäftigung ist eine tolle Möglichkeit, unterschiedlichste Lebensziele zu verwirklichen: mehr Zeit für eine tolle Beziehung, die nebenberufliche Selbstständigkeit oder andere Dinge, die dem einzelnen Menschen wichtig sind.

Um im Alter nicht mit leeren Händen dazustehen, sollte man jedoch in jedem Fall finanziell vorsorgen.

Wünschenswert wäre, dass es in Zukunft noch mehr Führungskräften ermöglicht wird, in Teilzeit tätig zu sein, bzw. dass auch Personen, die weniger als 40 Stunden arbeiten, mehr Aufstiegschancen haben.

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